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An der Basis informiert

Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Hartmut Ziebs, besucht Bremervörder Feuerwehr

 

Grundmann ZiebsDer höchste Repräsentant des deutschen Feuerwehrwesens hat gestern die Bremervörder Feuerwehr besucht. Hartmut Ziebs, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, verschaffte sich nicht nur einen Einblick darüber, „wo an der Basis der Schuh drückt“, wie er betonte. Er sprach sich auch dafür aus, dass ehrenamtliche Feuerwehrleute für ihren wertvollen Dienst an der Gesellschaft Privilegien erhalten sollten – zum Beispiel mit Blick auf Vergünstigungen beim Er-werb von kommunalem Bauland, bei der Einstellung in den öffentlichen Dienst oder der Nutzung öffentlicher Einrichtungen. CDU-Bundstagsabgeordneter Oliver Grundmann hatte im Rahmen seiner Sommertour durch den Wahlkreis den „hohen Besuch“ bei der Bremervörder Feuerwehr ermöglicht.

Die Feuerwehren seien das Rückgrat der Gesellschaft, begrüßte Grundmann Hartmut Ziebs im Bremervörder Feuerwehrhaus. Umso erschreckender seien die Vorgänge, die beim jüngsten G20-Gipfel auch Feuerwehrleute als Uniformträger ertragen mussten. Geradezu unerträglich seien die Angriffe auf Einsatzkräfte bei dem schweren Eisdielen-Unfall vor zwei Jahren in Bremervörde. Wenn Einsatzkräfte von aggressiven Gaffern so angegangen würden, müsse der Staat sich hinter sie stellen. Er begrüßte deshalb die Verschärfung der Strafgesetze und brachte dem Wunsch zum Ausdruck, dass die Justiz auch vom vollen Strafrahmen Gebrauch machen würde. Stadtbrandmeister Rüdiger Naubert erinnerte auch noch mal die Zeugenbefragungen vor dem StadtbrandmeisterAmtsgericht, die er teilweise als unwürdig erlebt habe. „Man fragte, sich wo da der Rechtsstaat geblieben ist“, sagte Naubert.

Auch Kreisbrandmeister Jürgen Lemmermann begrüßte Ziebs. „Ich bin jetzt 43 Jahren in der Feuerwehr aber einen Besuch des Präsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes habe ich in dieser Zeit noch nicht erlebt“, ordnete er die Bedeutung des Gedankenaustausches mit Diplom-Ingenieur Ziebs ein, der in Schwelm ein Unternehmen für Gerüstbau betreibt und seit 2016 an der Spitze des Feuerwehrverbandes mit großer Leidenschaft für das Ehrenamt eintritt. Das wurde auch deutlich, als er die Denkanstöße des Bremervörder Stadtbrandmeister Naubert aufgriff, dass die Politik Vergünstigungen für ehrenamtliche Brandschützer vorantreiben sollte, um die Akzeptanz fürs Ehrenamt zu stärken. Das sieht Ziebs genauso. Der Präsident plädierte ebenfalls dafür, an vielen staatlichen und gesellschaftlichen Stellschrauben zu drehen, um das Ehrenamt in der Feuerwehr zu stärken und er-kennbaren Tendenzen des Mit-gliederschwundes entgegenzuwirken.

Günstiges Bauland, günstige Mieten oder auch der kostenlose Eintritt im kommunalen Schwimmbad seien gangbare Wege, um Menschen weiter für den ehrenamtlichen Dienst in der Feuerwehr begeistern zu können und an eine Kommune als Wohnort zu binden. Auch die Anerkennung von Ausbildereignungsprüfungen könne das Ehrenamt in der Feuerwehr attraktiver machen, meinte Ziebs mit Blick auf die Arbeitgeber der Wirtschaft. Im Gegenzug müsse aber auch die Feuerwehr die Ausbildereignungsprüfungen der Wirtschaft anerkennen, plädierte er für mehr Flexibilität der Systeme.

Die Gründung von Kinderfeuerwehrwehren begrüßte Ziebs mit Nachdruck. Schließlich sei das Thema Feuerwehr wohl bei jedem Kind positiv besetzt, wenn man an die beliebten Feuerwehrautos im Kinderzimmer denke. Darauf müsse man aufbauen, fordert Ziebs.

Arbeitgeber und Ausbildungsbetriebe sind nach Überzeugung Ziebs gut beraten, wenn sie junge Leute einstellen, die die Jugendwehr durchlaufe hätten. Das habe ihm auch einmal der Hauptgeschäftsführer einer IHK bestätigt. Demnach seien Tugenden wie Teamgeist, oder Ordnungssinn bei Mitglieder ebenso ausgeprägt wie die Bereitschaft, mal eine Anweisung auszuführen, ohne gleich darüber zu diskutieren zu wollen.

Und auch mit dem Stress könnten Feuerwehrleute besser umgehen, sagte mit Blick auf die Arbeitgeber. „Bei vollkommen unklarer Aktenlage unter Zeitdruck zu entscheiden“ – das zeichne eine Führungskraft in der Feuerwehr aus – also Kompetenzen, die in der Wirtschaft nur für teures Geld in Schulungen zu haben seien, warb er für seine Kameraden.

Mit gemischten Gefühlen bewertet Ziebs den Vorstoß mancher Kommune, an die Spitze einer Freiwilligen Feuerwehr einen hauptberuflichen Stadtbrandmeister zu setzen. Eine gewählte, ehrenamtliche Führungskraft finde oft mehr Akzeptanz als ein „Profi“, sagte Ziebs.

Sinnvoller findet des Deutschen Feuerwehrverbandes, wenn ehrenamtliche Funktionsträger oder Führungskräfte in der Verwaltung angestellt werden.

KBM